Den Willen vorab erklären

Würdezentrum Frankfurt

Würdezentrum klärt über Patientenverfügungen auf

Die Autonomie des Menschen steht in unserer aufgeklärten Gesellschaft im Mittelpunkt. Selbstbestimmung gehört zum Lebensentwurf und gilt als Primärtugend. Bewusst oder unbewusst ausgeschlossen wird jedoch allzu oft der Blick auf die letzte Lebensphase. Wer bestimmt, was mit dem Menschen geschieht, wenn er es selber nicht mehr artikulieren kann?

Dr. Ingmar Hornke

Dr. Ingmar Hornke

Gestaltungsmöglichkeiten auch für eine Zeit, in der es nicht mehr möglich ist, die Lebensrichtung vorzugeben, gibt es genügend. Zu einem Informationsabend mit den Themen „Patientenverfügung“ und „Vorsorgevollmacht“ hatte nun das Team des neu gegründeten Würdezentrums Frankfurt eingeladen. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem das Modell „beizeiten begleiten®“.

In anderen Ländern bereits lange als „Advance Care Planning“ (ACP) eingeführt, ermöglicht es eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Patientenverfügungen. Und bietet dabei die Möglichkeit, eindeutige Anordnungen zu treffen. Das kommt einer aktuellen Entscheidung des Bundesgerichtshofes entgegen, nach der Patientenverfügungen ausreichend konkret formuliert sein müssen.

„Weder Ehepartner noch erwachsene Kinder sind im Notfall selbstverständlich handlungsbevollmächtigt“, erklärte Dr. Ingmar Hornke, langjähriger Palliativmediziner und Mit-Gründer des Würdezentrums. Weder dürften sie Bankgeschäfte erledigen, noch über medizinische Behandlungen bestimmen. Hornke empfahl daher dringend, frühzeitig einen Vorsorgebevollmächtigten einzusetzen. Eine entsprechende Vollmacht bedarf lediglich der Schriftform und sollte vom Vollmachtgeber und vom Bevollmächtigten unterschrieben sein.

Vor allem hinsichtlich der Patientenverfügungen herrsche derzeit große Verunsicherung, betonte der Palliativmediziner weiter. Grundsätzlich sei die Verfügung für sogenannte einwilligungsfähige Volljährige seit dem Jahr 2009 im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. „Nutzen Sie die Chance, Ihren Willen vorab zu klären“, appellierte Hornke an die Versammelten. Während anzukreuzende Vordrucke meist nicht geeignet seien, erweise sich, auch hinsichtlich der derzeitigen Rechtsprechung, eine dynamische Patientenverfügung nach dem Modell „beizeiten begleiten®“ als guter Weg. „Mithilfe eines Dialogs mit einem geschulten Gesprächsbegleiter können dabei klare Behandlungsentscheidungen getroffen werden“, so Hornke. Beinhaltet ist dann auch eine mit einem Arzt gemeinsam ausgearbeitete „HAnNo“, eine ärztliche Anordnung für den Notfall, nach der sich die Rettungs-Teams richten sollten.

Die Möglichkeit einer solchen vorausschauenden Vorsorgeplanung ist für Heimbewohner seit kurzem im Hospiz- und Palliativgesetz verankert. Auf freiwilliger Basis.

Das Modell „beizeiten begleiten®“ im südwestdeutschen Raum einzuführen, ist aktuell eines der Anliegen des Würdezentrums. Unter der Federführung der Universität Düsseldorf, in Zusammenarbeit mit München und Göttingen werden derzeit Curricula erstellt, um die benötigten Gesprächsbegleiter auszubilden.

Weitere Informationen unter www.beizeitenbegleiten.de.